Die Welt des Wassers der Geometrie unterwerfen? Kann man in dem bewegten Element Wasser mathematisch-geometrische Strukturen erkennen, außer im gefrorenen Zustand? Wasser, Dampf und Eis sind 3 verschiedene Zustände und bilden einen immer wiederkehrenden Kreislauf. Das Dreieck ein Sinnbild der 3 Zustände in der 3-Dimensionalität?
Die uralte Idee, dass die Welt der Natur, also auch das Wasser, mathematisch ist, geht schon auf Platon und Pythagoras zurück. Das würde bedeuten, dass das Wasser eine geometrische Struktur hat, ein Spiel aus Quarks und Elektronen, ein Spiel mit Gleichungen… WASSERgleich…
In diesem Sinne verwandele ich in meiner Arbeit das Fließende, Strömende des Wassers in einfache geometrische Muster, wirbelartig aufsteigend oder abfließend, abstürzend wie beim Wolkenbruch.
Seit Jahren beschäftige ich mich mit Dreiecken und Hexagonen. Hexagone als Zellstruktur, Faltobjekt, Puzzlespiel, Muster und Netze wie Koordinatensysteme, Endlosschleifen, Installationen und geometrische Choreografien.
Geometrie, Mathematik, Rationalität – Phantasie, Intuition, Emotion bilden spannende Gegensätze, die ich in meiner Arbeit verbinden möchte.
[…] Lassen wir uns nicht täuschen von den ästhetischen gezeichneten und gemalten Dingen, die so präsent erscheinen.
Wenn Anna Recker zum Beispiel Wellen zeichnet oder malt, geht es nicht um ein konkretes Seestück, sondern um Wellen generell, ihren Rhythmus in der nicht enden wollenden Wiederholung, die Spur, die die Naturgesetze von Schwerkraft, Wind, Erdrotation sichtbar hinterlassen.
In vielen Kulturen wird der Rhythmus in der Musik und damit auch im Tanz als Echo eines universellen Klangs verstanden. Novalis drückte es in der Zeit der Früh-Romantik um 1800 mit den Worten aus: „Alle Methode ist Rhythmus: hat man den Rhythmus weg, so hat man auch die Welt weg“ (Novalis, Fragmente, Ernst Kamnitzer, Hrsg., Dresden 1929, Kunstfragmente).
Anna Recker lässt uns Dinge und kosmische Welten sehen, die unmöglich existieren können, und deren Existenz wir doch intuitiv Glauben schenken, von denen wir uns verzaubern lassen. Wir stehen vor den Bildern wie vor „Galaxien …, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ (Intro Raumschiff Enterprise, D 1. Folge 1972).
Diese Faszination liegt an der künstlerischen Haltung, die – neben allem anderen – Logik und Sicherheit vermittelt. Zum anderen sicherlich an der Farbe Blau, die in vielen Gemälden von Anna Recker dominiert.
Sie wirkt abstrakt räumlich, als Wasser oder Himmel, sie kann sogar ein Bild gänzlich fluten – sich ohne Horizontlinie ausbreiten. Im Blau schweben Inseln, Städte, rätselhafte Körper und geometrische Formen.
In Bildern wie „Gedanken-Flüge“ und „Memory Replay“ scheint, wörtlich genommen, der „Himmel auf Erden“ zu existieren.